Fünf verschiedene Anfänge habe ich verworfen, bevor ich jetzt einfach nur schreibe: Michael Jackson ist tot und ich werde ihn vermissen. Eine große und tragische Geschichte ist zuende. Danke für die Musik. You won't be forgotten.
DONNERSTAG: Nach erfolgreichem morgendlichen Uni-Referat schaffen wir eine beinahe völlig staufreie und daher sehr angenehme Anreise, ergattern einen Top-Parkplatz, während die Mittwoch-Fahrer via Handy wissen lassen, dass sie bereits einen Top-Zeltplatz (Orientierungspunkt: der legendäre Piss-Würfel). Das Anstehen zum Einlass entpuppt sich als harmloser, als gedacht - eine Stunde in der prallen Sonne bei vollem Gepäck lässt sich dennoch nicht vermeiden (wir wissen zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass es der letzte ernsthafte Sonnenkontakt für die nächsten Tage sein wird). Irgendwann sind wir aber da, das Zelt steht, die Pavillons auch, das Bier folgt dem von der Peristaltik vorgezeichneten Weg und langsam trudeln die restlichen Camp-Bewohner ein. Der Grundstein liegt.
FREITAG: Musik von der dunklen Seite, Teil 1: Das Erwachen ist nur leicht verkatert, dafür haben unsere Schweizer Nachbarn morgens um 8 Uhr bereits große Lust auf Volksmusik von der Alm... die Duschen erweisen sich (wie überhaupt die sanitäre Situation) als wirklich annehmbar, so dass das Anstehen für Klo und Dusche zu einer echten Alternative zu Dixi und Feldwäsche wird. Dann das übliche Gedöns, Frühstück bis zwölf, Gequatsche, Bier... gegen 15 Uhr nutze ich eine Regenpause (um es kurz zu machen: das Festival bestand nur aus Regen und Regenpausen, Sonne kam nie ernsthaft durch. Oh, und hatte ich den Hagelschauer erwähnt?) und gerate mit einer hochmotivierten, zehnköpfigen Mannschaft aus Fans und Spielern in eine Reihe von Flunkyball-Matches. Leider können wir nicht alle für uns entscheiden, aber ich besinne mich zumindest auf alte Trinkstärken.
Deshalb bin ich auch rappelvoll angenehm bedüselt, als ich gegen 17.30 Uhr zum ersten Mal auf dem Festivalgelände die Silversun Pickups sehe. Solider, irgendwie stimmlich an Placebo gemahnender Indierock, den ich mir auf Platte nochmal in Ruhe anhören muss. Eigentlich wollte ich ja nun den Fleet Foxes eine Chance geben, mir diese ganze Welle von Neo-Summer-Of-Love-Bands begreiflich zu machen. Wegen akuter Ernüchterung und Desinteresse wird es dann aber doch der Zeltplatz und eine Reihe weiteren Bieres. Clueso, Fettes Brot, Ben Harper - "nur ein paar Hits", "schon zigmal gesehen", "nicht so mein Ding", wieder bleibt es beim Zeltplatz und der guten Gesellschaft, die spektakuläre Trunkenheits-Erfindungen wie den bald schon legendären "Mannfang" (gemeint: Windfang, bzw. eigentlich nur gespannte Zeltschnüre) macht.
Immerhin, die letzten Songs der Ärzte schaffe ich gerade eben so noch. Für mich hat sich das mit dieser Band wohl langsam erledigt, zum ersten Mal hatte ich außerdem den Eindruck, dass sogar Berufsjugendliche alt werden können, so langsam und drucklos hauen sie ihre Hits gegen Ende raus.
Dann doch lieber Nick Cave & The Bad Seeds, eine von zwei Pflichtveranstaltungen, die ich um alles in der Welt sehen muss. Zurecht: Meister Cave gönnt sich außer ein paar "Thank You"s wenig Publikumskommunikation, geschweige denn -animation - weil er es schlicht nicht nötig hat. Seine tiefdunkle Crooner-Stimme, die großartigen Songs, und im Rücken mit den Bad Seeds eine der besten Bands, die ich je gesehen habe... ein Auftritt, wie man ihn sich besser kaum wünschen kann. Lärmorgien wie "Tupelo", kruder Rock mit "Dig, Lazarus, Dig!", Balladeskes wie "The Ship Song", Mörderblues bei "Stagger Lee", niemand kann das alles stimmlich so überlegen und so sexy wie Cave (die Ausnahme? Am Sonntag...). Als die Front-PA ausfällt, kommentiert Cave das Ganze grinsend mit "German Engineering sucks". Dabei ist die PA fast egal, den Rest des Songs über lauschte das Publikum muckmäuschenstill dem Bühnensound. Ein grandioser Auftritt, kein Fehler, das Zuschauen pure Freude. Euphorisiert trinke ich noch ein paar Bier und falle dann in einen gnädigen Schlaf.
SAMSTAG: Mittlerweile wird das Aufstehen anstrengender, Lebensstil und Rhythmus hinterlassen erste Spuren. Und das, obwohl ich mit Rührei zum Frühstück, genug Obst und Gemüse, Müsliriegeln und Vitaminpillen mittlerweile von der Fleisch-und-Bier-Diät ab bin. Am frühen Nachmittag entdecke ich beim umherstromern auf dem Campingplatz neue Kurzzeit-Freunde sowie Trierer Bekannte. Insgesamt kommt dieser liebenswerte Teil eines Festivals wegen des Wetters aber leider zu kurz. Im Camp lerne ich das Trinkspiel "Frau Horst", das u. A. dazu führt, dass beinahe ununterbrochen Leute aus dem Camp ein Mädchen im Nachbarlager auf die Wange küssen müssen, was für einige Erheiterung und Irritation sorgt. Gleichzeitig beginnt ein unheilvolles Ritual: Der Schlauch wird ausgepackt, 0,5er Bierdosen stehen bereit... Promille garantiert.
Dennoch komme ich recht gut vom Platz und nehme gegen 14.30 Uhr noch ein wenig von Johnossi mit, die mir auf den ersten Eindruck eher farblos erscheinen. Danach kommen die von mir heiß ersehnten Gaslight Anthem, zu denen ich Teile der Gruppe ob ihrer Unkenntnis nötigen musste. Was sich lohnt, die Band spielt ernergetisch, den Sänger hatte ich mir gar nicht so spitzbübisch-punkig vorgestellt. Ein toller Auftritt, maßgeblich getragen vom Knaller-Album "The '59 Sounds".
Wegen des kurzen Weges erlaube ich mir - nach einem kurzen Abstecher zu den Rockabilly-Punkern von The Living End - die Pendellei zum Zeltplatz, ein für mich neuer Luxus. Nachdem ich mich dort ein wenig beschnapst habe, tanze ich bester Stimmung in Richtung Gogol Bordello, die ich zum vierten Mal erleben darf. Endlich die richtige Musik, um sich selbst höllisch zu feiern. Zumidnest die Umstehenden sind scheinbar beeidnruckt von unserer Tanzwut. Ein solider Auftritt, an dem mir aber nun auch nichts neu erschien, vom Makeup der Asia-Zwillinge mal abgesehen.
Den ganzen Mega-Indie-Schmarrn von den Editors, über Franz Ferdinand bis zu den mittlerweile ärgerlich omnipräsenten Kings Of Leon schenke ich mir (letztere werden in Dauerrotation mindestens fünf mal am Tag im in Hörweite gelegenen Partyzelt verheizt), stattdesse ab ins Zelt zu Dendemann. Der letzte und cleverste Überlebende des Deutschrap-Urknalls der Jahrtausendwende hat dann auch eine gute Show im Gepäck, statt purem Set mit DJ und MC hat er eine komplette Band dabei und spielt seine Stücke in neuen Arrangements. Ein sehr schöner Auftritt mit viel Druck, den ich wegen dem unheimlich vollen Zelt nicht vollends genießen konnte.
Eigentlich gab es den Plan, später nur aus Jux die Proll-Metaller von Disturbed zu sehen, leider scheitert die Idee an einem der alkoholischer Dehydrierung geschuldeten Nickerchen. Dann die schwerste Entscheidung: Eigentlich sind die Nine Inch Nails auch Pflicht, aber weil ich sie schon gesehen habe und höllisch friere, bleibe ich nach langem Hadern im Zelt. Das gab's bei mir bisher auch noch nicht. Ich werde alt.
SONNTAG: Dieses Mal fällt duschen aus, die Schlange ist zu lang, der Drang nicht groß genug. Außerdem hat es ja auch aufrüttelnde Wirkung, wenn die Freundin die Nachbarn wegen ihrer Volksmukke zusammenstaucht. Beim Essen erzählen sich alle Erlebnisse des letzten Abends: Während die einen saftige Frauengeschichten aus dem Partyzelt berichten, haben die anderen eine dieser Geschichten erlebt, die man eigentlich immer nur über drei Ecken hört: Securitys befreiten vor ihremn Augen einen um Hilfe klopfenden völlig Betrunkenen aus einem Dixie. Wie er es geschafft hatte, sich von oben bis unten komplett mit Scheiße zu beschmieren, ließ sich jedoch nicht klären. Tauchen läge nahe.
Mit Notfallschnaps bewaffnet mache ich mich spät auf den Weg zu Ska-P. Die machen angenehm rückwärts gewandten Punk. Ob sie aber wirklichen glauben, dass alle ihre linken Messages mitbekommen, wenn sie nur spanisch reden? Zum Ska-Punk gibt es klassische Anti-Bush-Holzhammersymbolik (Guantanamo-Suits, Gefangenen-Exekution auf einem elektrischen Stuhl, Domina-Kardinals-Outfit), die im Jahr 1 nach Bush Jr. irgendwie gestrig rüberkommt. Ohnehin haben Auftreten und Musik wenig mit Tiefgang zutun. Wer aber tanzen und auf der richtigen Seite stehen will, war dort richtig.
Während andere wegen dieser strunzdummen "I kissed a girl"-Nummer bei Katy Perry auf Lesben-Szenen hoffen, höre ich mir The Mars Volta an. Nach dem ersten Album wurde mir die Band eigentlich zu spleenig, und zum nebenbei anhören ist das ja eh nix. Dennoch ein technisch beeindruckender Auftritt, den die beiden Afros mit ihrer Band leisten, und einen Song habe ich entgegen der Erwartung auch wiedererkannt. Mit dem letzten Ton gehen die ohnehin unkommunikativen Typen wortlos von der Bühne, was ich dann schon wieder cool finde. Ohnehin habe ich dieses Jahr fast nur Bands gesehen, die sich öde "Zugaben"- und Animations-Spielchen geschenkt haben, und stattdessen durch Musik zu überzeugen wussten.
Weiter geht es auf der "Alte Helden"-Bühne: Frank Black und seine Pixies geben sich die Ehre. Black (nach eigenen Angaben in Sachen Reunion "In it for the money") gibt den Kauz, Bassisten Kim Deal steuert das menschliche und sympathische bei, was in der Summe einen ganz unaufgeregten Routine-Gig abgibt, den man gern sieht, der einen aber auch nicht weiter beeindruckt.
Dann Social Distortion, von denen ich einiges erwarte, weil ich zumindest zwei ihrer Alben doch sehr schätze. Leider erlebe ich eine Neuauflage der schwachen Auftritte von Mitte der Neunziger, von denen die Musikredaktuere jener Zeit immer noch erschüttert berichten: Selbst wenn man die hingenuschelten Ansagen des Ex-Drogis Mike Ness ausklammert, und jener selbstverständlich trotzdem saucool bleibt, wenn er dem Publikum erzählt, es solle sich nicht seine Träume nehmen lassen - Druck und Power gehen ganz anders, selbst Hits wie "Don't drag me down" verpuffen ohne nachhaltige Wirkung. Social Distortion waren zwar immer die Countryband unter den Punkbands, aber das hier war ein Trauerspiel.
Und dann Faith No More. Die Band, die mit Mike Patton einen der besten Sänger und kreativsten Künstler in der gegenwärtigen Rockmusik hatten. Die an ihren Egos zerbrach. Die mal eben den Teppich für Crossover und seine Nachwirkungen ausgerollt hat. Zerstört hier eine weitere große band ihren Mythos für ein bisschen Reunion-Kohle? Vorerst nicht: "Reunited", ein souliges Cover ist der Einstand, dan bricht ein Gewitter los: Mike Patton schreit und windet sich, Bass und Schlagzeug bollern, ein irrer Sound fegt über die Reihen. Keine Spur von alterserscheinungen der bald 50-jährigen Herren. Dazu ein Set mit allem Ornat: "Epic", "Caffeine", "Be aggressive", "Ashes To Ashes", "The gentle art of making enemies" lassen Erinnerungen an eine zeit wachwerden, als Crossover nicht nur eine Erinnerung war. Und: Mike Patton ist ein Ausnahmesänger, der zwischen Schreiattacke und souligem Gesang nichtmal richtig Luft holen muss, kein Ton geht daneben, manisch rennt der Sänger vor dem Schlagzeug im Kreis, wenn er nicht gerade springt oder dem Publikum nahe legt, gegen die Kälte am Abend im Zelt zu vögeln. Wieder stimmt alles, wieder herrschen reine Glücksgefühle, die nur davon ein wenig getrübt werden, dass Kraftwerk parallel ebenfalls eine sehr gute Show geliefert ahebn sollen, wie ich später erfahre.
Alles in allem ein gutes Festival, dem ein bisschen besseres Wetter gefehlt hat. Ansonsten sind die Organisatoren zu loben, jedes Jahr versuchen sie erfolgreich, das Festival zu verbessern, dieses Jahr sind mir die sanitäre Situation oder das Getränkeangebot (0,5l kühles Becks auf dem Zeltplatz 1 Euro!) positiv aufgefallen, ebenso der Einlass in den vorderen Bühnenbereich (das ist bei RaR seit Jahrem die reine Katastrophe). Auch die Spielpläne weisen immer weniger ärgerliche Überschneidungen auf. Nur das Publikum erscheint mir mit wachsender Festivalgröße und fortschreitendem Alter immer derber. Was wiederum kein Problem ist, wenn man bei Nick Cave oder der Pixies steht, da ist wenig junges Gemüse.
Konzertwertung:
1. Faith No More & Nick Cave (beide auf individuelle Art großartig)
3. The Gaslight Anthem (schön, wenn einen eine "neue" Band so mitreißen kann)
In diesem Sinne: War schön gewesen! Nächstes Jahr dann bitte mehr Sonne.
Die meisten werden das Small-World-Phenomenon des Sozialpsychologen Stanley Milgram zumindest flüchtig kennen, demnach sich beliebige Menschen auf der Welt durch wachsende interpersonelle Kontakte über wenige Zwischenschritte miteinander in Verbindung bringen lassen.
Als Spiel gibt es das Ganze in abgewandelter Form, exemplarisch sei hier "Six degrees of Kevin Bacon" genannt, bei dem man einen beliebigen Schaupieler über möglichst wenige Zwischenschritte mit einem Schauspieler verbinden muss, der mit Kevin Bacon in einem Film gespielt hat.
Und ich habe Lust auf ein ähnliches Spiel: Ich gebe zwei Begriffe vor, die innerhalb der deutschen Wikipedia mit möglichst wenigen Zwischenschritten verbunden werden müssen. Den Lösungsweg gebe ich an, ebenso den "Wikipedia-Faktor" meiner Lösung, der sich aus der Anzahl der Zwischenschritte ergibt (Beispiel: Ich starte bei dem Begriff "DFB", mein Ziel ist "Michael Ballack". "Michael Ballack" taucht in dem DFB-Artikel nicht auf, ich klicke auf den vorhandenen Link zum Artikel "Nationalmannschaft". Dort gibt es einen direkten Link zu "Michael Ballack". Mein Lösungsweg ist also "DFB" --> "Nationalmannschaft" --> "Michael Ballack", der Wikipedia-Faktor wäre 1, für einen Artikel, der zwischen den beiden Punkten steht. Falls ein Link mehrdeutig ist und eine Begriffsklärungsseite angezeigt wird, darf ein beliebiger Artikel ausgewählt werden; wird direkt ein Artikel angezeigt, muss dort weiter gemacht werden. Und damit nicht zu sehr abgekupfert wird: Der erste oder der letzte Zwischenschritt müssen sich zu bereits genannten Lösungswegen unterscheiden.
Ich freue mich auf Mitspieler in den Kommentaren, jeder kann so oft posten wie er will, die erste Runde von mehreren (falls das Ganze auf Interesse stößt) läuft bis Montag, 22.06., 20 Uhr. Vielleicht fällt mir sogar noch eine Art Gewinn ein. Also, los geht's:
Wir starten bei "Kleine-Welt-Phänomen" und wollen zu "Käsekuchen". Mein Weg: "Kleine-Welt-Phänomen" --> "Omaha" --> "Frankreich" --> "Wein" --> "Zucker" --> "Süßware" --> "Schokolade" --> "Backen" --> "Kuchen" --> "Käsekuchen" - also ein Wikipedia-Faktor von 8. Das sollte doch zu schlagen sein.
"Achso. Na, dann...". Dachte ich, als ich im Spiegel las, dass die ganze Herumstudiererei so gar nichts bringen soll. Weil man als junger, flexibler Berufseinsteiger mit Auslandserfahrung und Top-Noten sowieso Monate und Jahre der Arbeitslosigkeit sicher hat...
Vor zehn Jahren konnte man den Spiegel zumindest noch lesen, wenn auch nicht immer für voll nehmen. Heute braucht er den Vergleich in Sachen Titten und platte Meinungsmache mit direkten (Focus, Stern) und indirekten (BILD) Konkurrenten wahrlich nicht mehr scheuen.
Vermutlich hätte eine ausgewogene, aufwendig recherchierte Geschichte aber die schöne Krisenstimmung in ihrer Gesamtheit kaputt gemacht.
Verdammte deutsche Verbotskultur! Liebe Senile in euren politisch gestifteten Ledersesseln: Irgendwann ist auch mal gut mit Entmündigung und Bevormundung! Aber klar, der selbstdenkende Mitbürger wählt euch ja schließlich nicht zuverlässig.
Limp Bizkit bei Rock am Ring 2009, MTV sendet live. 1999 wäre das ein Live-Traum gewesen. 2005 wollte ich sie mir zumindest noch der alten Liebe wegen ansehen, aber sie sagten ab. Und jetzt gerade hier auf der Couch erscheint mir das einfach nur wie ein müder, viel zu spät kommender Abklatsch von etwas, das vor einem Jahrzehnt genial hätte sein können.
(Warum hat der Ring dieses Jahr eigentlich nur Headliner, die entweder ihre beste Zeit spürbar hinter sich haben, auf Reunion-Tour und damit völlig abseits jeder Relevanz sind, oder nie richtig gut waren und sein werden?)
EDIT3: Letztendlich doch besser, als erwartet. Trotzdem irgendwie alles recht anachronistisch.
EDIT2: Ok, "Break Stuff" ist und bleibt und toller Schlag ins Gesicht. Jetzt werde ich doch noch nostalgisch.
(Und ich muss es erwähnen, auch wenn es seit 10 Jahren keine Neuigkeit mehr ist: MTVs Schnitt von solchen Veranstaltungen ist die Pest. Nicht nur zu schnell, damit bloß keine Atmosphäre oder ein Gefühl für die Szene aufkommen kann - auch austauschbar, jedes Konzert einer größeren Band sieht mittlerweile absolut identisch aus. Bäh.)
EDIT: Wer sich immer schon gefragt hat, was eigentlich an so Festivals Spaß machen soll: Weil da zum Beispiel sowas passieren kann.
Vielleicht habe ich mich einfach noch nicht dran gewöhnt, aber bis jetzt würde ich über meinen neuen Monitor das Gleiche sagen, was ich auch in Sachen weibliche Brust schonmal feststellen musste: Kann tatsächlich doch zu groß sein.
Michael Konken, der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, hat Angst vor dem Internet. Weil da jeder senden kann, und zwar was er will. Soviel Demokratie ist Michael Konken offenbar nicht geheuer, schließlich streuterseineAnsichten so oft möglich unter das Volk. Zwar rückt er die dann mal zurecht, wenn man ihn kritisiert, aber das vollendete Verständnis des Web 2.0 mag man ihm auch danach nicht anlasten. Alles nur die übliche Verkürzung, das mediale Missverständnis von dekontextualisierten Aussagen?
Nein. Eben gerade zum Beispiel durfte ich Herrn Konken als Teilnehmer einer Podiumsdiskussion der Friedrich-Ebert-Stiftung zum etwas holprigen Thema "Politische Kommunikation im Web 2.0 - Wird der Amer-I-Can Dream auch für uns wahr?" erleben. Auf einen Beitrag aus dem Publikum, der auf die Fortschrittlichkeit mancher amerikanischer Journalisten hinwies, die ihre Artikel mit Links transparenter machen, antwortete Herr Konken sinngemäß, Links in Artikeln würden Brüche schaffen und den Lesefluss bremsen, weshalb man sie dem Leser ersparen solle.
Schon in dieser kleinen Äußerung steckt soviel Web-0.0-Top-Down-Mentalität, soviel Unverständnis von den Demokratisierung des Netzes, soviel technisch wie inhaltlich unbegründete Furcht vor dem Kommunikationsrecht aller mit allen, dass man Herrn Konkens Studenten an der Uni Vechta bzw. der FH Oldenburg wirklich ernsthaft ein gutes Reflexionsvermögen wünschen muss.
Er steht einfach da: dünn und sehnig, mit einer für Mittfünfziger ungewohnt engen schwarzen Röhrenjeans und schwarz-weißen Chucks. Seinen Rucksack trägt er ein klein wenig zu hoch, als dass es noch cool wirken könnte, seine blaue Jeansjacke sieht klein und zusammengezurrt aus, wie alles an ihm, außer den langen Beinen. Seine Haare sind Raspelkurze, graue Stoppeln, die borstig wie grobe Barthaare aussehen und seinen Schädel nicht mehr gleichmäßig bedecken. der Hals ist faltig, die Wangen sind ein bisschen eingefallen, und doch scheint er kein bisschen kränklich.
Und dann strahlt er: strahlt aus seinen funkelblauen Augen die Begeisterung eines etwas faltigen Mittfünfzigers in Röhrenjeans und Chucks, dessen Äußeres über Zeitgeist, Dresscodes und Coolness erhaben ist; wahrscheinlich kennt er all das nicht einmal. Aber diese Führung, diese ziemlich egale Führung durch das ZDF, ist sein Tages-Höhepunkt, ein Highlight, von dem er vielleicht später seinen Angehörigen, seiner Frau oder seinen Enkeln erzählen wird, ich bin sicher er hat Enkel.
Und ich muss mich mühsam zusammennehmen, um nicht in Tränen auszubrechen, weil er soviel naive Begeisterung ausströmt, weil er in diesem Moment so schön, so unvermutet schön ist, dass er alles andere überstrahlt: das Grau der Besucherinnen-Dauerwellen, die egale Führung, die Millionenwatt der Lichtanlage des Studios.
Und weil ich mich erinnere, wie ich auch schon so hemmungslos begeistert war. Und es seltener und seltener bin.
Manchmal fühle ich mich wie Apu von den Simpsons. Denn: Kaum jemand versteht/schreibt/spricht meinen Nachnamen beim ersten Mal richtig, der südlich von Hannover geboren ist. Sogar ihn von PC-Ausdrucken abzuschreiben scheint vielen Leuten schon Probleme zu bereiten. Ich sehe ein, dass das Verständnis und die Gewöhnung an Namen regional verankert ist. Aber: Mein Name ähnelt weder einem Zungenbrecher, noch reiht er Buchstaben ungewohnt aneinander oder klingt sonstwie fremdländisch. Ich heiße nicht Grzimek, nicht Adrianoloupolas, nicht Chin Yo Hai und auch nicht Wolowokolowski. Ich finde sogar, mein Nachname ist nicht nur unspektakulär, er ist sogar bis auf seine Mehrsilbigkeit sehr einfach: Drögemüller. "Müller"! Der ödeste und wohl bekannteste deutsche Name überhaupt! Und dazu "Dröge", was aus dem Norddeutschen übersetzt einfach "trocken" und in der Summe nichts anderes bedeutet, als dass meine Vorfahren im flachen Grasland der Lüneburger Heide eine Wind- und keine Wassermühle ihr eigen nannten. Zeitweise habe ich mich gefragt, ob ich nuschele oder sehr undeutlich spreche, wenn mich wieder ein(e) Sekretärin/Telefonist/Beamter nicht verstand. Da die Probleme aber in meinem Herkunftshabitat nicht bestehen, habe ich diesen Gedanken wieder verworfen.
Trotzdem muss ich leben mit (nur eine Auswahl aus den letzten paar Monaten): Drögenmüller, Drögemöller, Dögemüller, Drogemüller, Drogenmüller, Drögemeier. Man mag das als kleinlich und eitel abtun, aber: Es ärgert mich enorm, wenn man meinen Namen nicht richtig bildet. Weil es von Desinteresse und Schlampigkeit zeugt und deshalb grob unhöflich ist. Gewollte Verballhornung geht in Ordnung, alles andere nehme ich im Zweifel vielleicht sogar übel. Wie Barbra Streisand sagte: "Es ist mir völlig egal, was du von mir hältst. Hauptsache, du schreibst meinen Namen nicht falsch." So ist es.