Donnerstag, 25. Oktober 2007

Die spanische Lebensart

Hier eine zufällige Anhäufung beobachteter Dinge:

- Siesta ist Realität. Zwischen 14 und 17 Uhr ist so ziemlich alles zu, viele Spanier haben eine Mittagspause von ca. 2 Stunden, und das Ganze Leben verschiebt sich dementsprechend nach hinten: Abendessen zwischen 21 und 23 Uhr oder in die Disko um 3 Uhr (wenn die Tapasbars etc. schließen) ist normal.

- Spaniern gehen nicht - sie schlendern. Ab und an auch gern mit ausladenden Gesten. Überhaupt hat man mehr Zeit, ist weniger hektisch, pünktlich und gestresst. Angenehm, außer man hat es eilig oder will irgendwas.

- Spanier sind sehr hilfbereit. Frag nach dem Weg und schnell hast du eine Helfertruppe von der Stärke einer Fuballmannschaft.

- Englisch ist keine Selbstverständlichkeit, auch Unistudenten sprechen nicht zwangsläufig gut. Der Nationalstolz der Spanier schlägt sich wohl in der Stellung der Sprache nieder; wer nicht Businessmensch ist, ständig mit Touristen zutun hat oder zur Bildungselite gehört, hat vermutlich keinen Grund, englisch zu reden.

- direkte Antworten liegen Spaniern nicht. Um "Ja" oder "Nein" zu sagen, werden manchmal erstaunlich viele Worte benutzt.

- Stierkämpfe sind zwar bei jungen Leuten oft verpönt, finden aber in Madrid jeden Sonntag das gnaze Jahr über statt. Sie werden im Fernsehen übertragen und sind - wenn auch nicht so populär wie Fußball - doch aktiver Teil der Kultur.

- Fahrräder existieren in Madrid nicht. Zu Fuß, Metro, Auto, Helikopter... Fahrrad. Ungefähr so die Rangfolge der Verkehrsmittel. Klar, schließlich kann man sich beim Radfahren auch schlechter mit zufällig getroffenen Freunden unterhalten.

- Besuch im eigenen Zuhause ist (auch für Einheimische) eher unüblich. Das Leben spielt sich auf der Straße, in Bars und Restaurants, Parks und Diskos ab - aber eben nicht en la casa. In vielen Wohnungen ist Besuch teilweise oder völlig verboten (manchmal sind nur Übernachtungen ein NO-Go, manchmal ist schon der Toilettengang von Unifreunden unerwünscht).

Fortsetzung folgt bei Zeiten

Die Sprache

Der große Knackpunkt, nach wie vor. Ich bin ein langsamer (und zugegeben: fauler) Lerner. Ich erwarte irgendwie, dass es langsam von allein läuft, durch bloße Anwesenheit in diesem Land, aber tatsächlich muss man wollen und üben, bis einem das spanische Idiom flüssig über die Lippen kommt. Italienern und Franzosen fällt das erlernen dieser romanischen Sprache auch offenbar leichter; für mich machts das natürlich nicht besser.

Das große Problem ist, dass ich schlecht verstehe. Zwar kann ich annehmbar lesen, aussprechen und kann ein bisschen was sagen, aber oft verstehe ich die Leute einfach nicht und muss fünf Mal nachfragen, bis ich verstanden habe, dass sie eigentlich nur wissen wollten, wie mein Flug war. Auf Dauer ein Frustgarant, gegen den man aktiv arbeiten muss. Die Madrilenen sind allerdings auch Könige im Lispeln und vernuscheln von Worten ud Wortfetzen.

Trotz allem finde ich die spanische Sprache immer noch sehr schön und fühle mich annähernd heimisch in ihr, der Klang ist deutlich schöner, wenngleich die Ausdrucksmöglichkeiten weniger genau als im Deutschen sind. Ohnehin eine der Haupterkenntnisse: Deutsch ist eine sehr reiche, mächtige, und vor allem: präzise Sprache. Was mir vorher in der Form nicht bewusst war.

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1000 Songs
Madrid 2007-2008
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